Ein Neufundländer ist zwar ein gemütlicher Riese, aber er lernt am besten durch Beständigkeit und positive Verknüpfung. Da diese Rasse dazu neigt, Dinge „auszusitzen“, wenn sie keinen Sinn darin sieht, müssen wir die Belohnung extrem hochwertig gestalten (Käse, Fleischwurst oder spezielle Trainingsleberwurst).
Hier ist dein 2-Wochen-Trainingsplan, um die Katze von der Beute zum „Keks-Signal“ umzufunktionieren.
Woche 1: Das Fundament (Trockenübungen ohne Katze)
In dieser Woche festigen wir die Kommunikation. Dein Hund muss lernen, dass der Blick zu dir immer die beste Entscheidung ist.
- Tag 1-3: Einführung des Markernamens/Clicks. Wähle ein Wort wie „Top!“ oder nutze einen Clicker. Sag das Wort, gib sofort ein Leckerli. Wiederhole das 20-mal am Tag, bis er dich erwartungsvoll anschaut, wenn das Wort fällt.
- Tag 4-5: Das „Schau“-Kommando. Halte ein Leckerli neben dein Auge. Wenn er Blickkontakt aufnimmt: Markerwort und Belohnung.
- Tag 6-7: Ablenkung light. Übe das „Schau“ im Garten oder auf einer belebten Wiese. Er soll lernen, sich von Umweltreizen (Vögel, Geräusche) abzuwenden und dich anzusehen.
Woche 2: Die Annäherung (Gegenkonditionierung)
Jetzt wird es ernst. Du brauchst einen Ort, an dem Katzen vorkommen, aber du genug Platz zum Ausweichen hast. Wichtig: Der Hund bleibt an der kurzen Leine oder Schleppleine!
Der Ablauf bei Katzensichtung:
- Distanz-Check: Du siehst die Katze. Dein Neufi sieht sie auch. Er darf sie anschauen, solange er noch nicht in der Leine hängt oder fixiert.
- Der „Klick“-Moment: In dem Moment, in dem er die Katze ruhig anschaut, sagst du dein Markerwort („Top!“).
- Die Belohnung: Er wird sich zu dir umdrehen (weil er gelernt hat: Marker = Keks). Gib ihm die Belohnung und gehe ein paar Schritte weg von der Katze.
Der Zeitplan für Woche 2:
- Tag 8-10: Große Distanz (ca. 20-30 Meter). Bestätige jedes ruhige Schauen zur Katze. Wenn er bellt oder zieht, ist die Distanz zu klein. Gehe weiter weg.
- Tag 11-12: Fokus-Wechsel. Warte eine Sekunde länger. Schaut er die Katze an und dreht sich dann von selbst zu dir um? Jackpot! Hier gibt es die doppelte Portion Leckerlis.
- Tag 13-14: Bewegung einbauen. Versuche, in Sichtweite einer Katze (ruhig) ein paar Meter zu laufen. Jedes Mal, wenn er dich anschaut, statt die Katze zu fixieren, wird belohnt.
Goldene Regeln für den Erfolg:
Die 3-Sekunden-Regel: Wenn dein Neufundländer eine Katze länger als 3 Sekunden anstarrt, „friert“ sein Gehirn ein. Unterbrich den Blickkontakt vorher sanft, indem du dich in seinen Sichtweg stellst oder ihn leicht antippst.
Hungrig trainieren: Ein satter Neufundländer ist oft wenig motiviert. Verlege die Trainingseinheiten vor die Fütterung.
Was tun, wenn er doch mal ausrastet?
Wenn eine Katze direkt vor euch über den Weg schießt und der Neufi in die Leine geht: Kommentarlos aus der Situation gehen. Zieh ihn sanft aber bestimmt weg. Kein Schimpfen (das ist für ihn nur „Mitbellen“), kein Leckerli. Erst wenn er wieder ruhig ist, geht das Training weiter.
Das ist ein entscheidender Punkt. Bei einem ausgewachsenen Neufundländer von 60 bis 70 kg hilft keine Muskelkraft, sondern nur die richtige Physik und Technik. Wenn so ein „Bär“ mit Schwung in die Leine geht, entstehen Kräfte, die einen Menschen schlicht umreißen können.
Hier sind die Profi-Tricks für das Handling eines schweren Hundes:
1. Das richtige Material
Vergiss dünne Kordeln oder Flexi-Leinen.
- Breite Biothane-Schleppleine: 15 bis 19 mm breit. Sie liegt gut in der Hand, schneidet nicht ein und saugt sich nicht mit Wasser voll (wichtig bei einem Neufundländer, der gerne mal in Pfützen steht).
- Keine Schlaufe am Ende: Wenn die Leine durchs Unterholz schleift, kann sich eine Schlaufe verfangen oder – schlimmer – um dein Handgelenk wickeln. Ein glattes Ende ist sicherer.
- Sicherheitsgeschirr: Die Leine gehört niemals ans Halsband, wenn mit Schwung zu rechnen ist. Nutze ein stabiles Y-Geschirr, das den Druck auf den Brustkorb verteilt.
2. Die „Anker-Technik“ (Körpermechanik)
Wickle die Leine niemals um deine Hand! Wenn der Hund losstürmt, bricht er dir im schlimmsten Fall die Knochen.
- Die tiefe Basis: Sobald du merkst, der Hund fixiert eine Katze, geh leicht in die Knie. Ein tiefer Schwerpunkt macht dich schwerer umzuwerfen.
- Leine vor dem Körper: Halte die Leine mit beiden Händen nah am Becken/Schwerpunkt.
- Seitlich stehen: Stell dich nicht frontal zum Hund, sondern seitlich. So kannst du den Ruck mit den Beinen abfedern, statt dass es dir den Oberkörper nach vorne reißt.
3. Das „Eindrehen“ (Notfall-Stopp)
Wenn der Neufundländer bereits Fahrt aufgenommen hat und die Leine fast am Ende ist:
- Geh tief in die Hocke.
- Halte die Leine fest an deiner Hüfte.
- Dreh deinen Körper leicht vom Hund weg. Du nutzt dein gesamtes Körpergewicht als Gegengewicht, anstatt nur mit der Armkraft zu arbeiten.
4. Unterstützung durch ein „Halti“ (optional)
Falls du dich körperlich gar nicht sicher fühlst, kann ein Halti (Kopfhalfter) eine Übergangslösung sein.
- Funktionsweise: Es funktioniert wie ein Halfter beim Pferd. Wenn der Hund zieht, wird sein Kopf sanft zur Seite (zu dir) gelenkt.
- Wichtig: Ein Halti darf nur mit Doppelsicherung (eine Leine am Geschirr, eine am Halti) verwendet werden. Man darf niemals ruckartig daran ziehen, da die Halswirbelsäule sehr empfindlich ist.
Pro-Tipp für Neufi-Halter: Nutze einen Bauchgurt (aus dem Zughundesport oder Canicross). Wenn du die Leine dort einhakst, hast du die Hände frei und der Zugpunkt liegt genau an deinem Schwerpunkt. Das ist die sicherste Methode, um stehen zu bleiben.
Bei einem Neufundländer brauchen wir Equipment, das für den Zughundesport oder für Arbeitshunde ausgelegt ist. „Normale“ Leinen aus dem Zoofachhandel stoßen hier oft an ihre Belastungsgrenzen.
Hier sind die drei Säulen für deine Standfestigkeit:
1. Das Geschirr: Kraftverteilung & Kontrolle
Ein Neufundländer braucht ein Geschirr mit breiten Polstern, damit der Druck bei einem Sprung in die Leine nicht die Rippen oder den Kehlkopf belastet.
- Empfehlung: AnnyX Protect oder Niggeloh Follow.
- Warum: Diese Geschirre haben eine ergonomische Y-Form. Das ist wichtig, damit die Schulterblätter frei bleiben.
- Zusatz-Tipp: Achte auf ein Geschirr mit einem Ring im Brustbereich (D-Ring vorne). Wenn du die Leine dort einhakst, dreht sich der Hund automatisch zu dir, wenn er zieht. Das nimmt ihm die Vorwärtskraft.
2. Der Bauchgurt: Dein Anker
Das ist der „Gamechanger“. Wenn 60 kg ziehen, hält dein Becken das Gewicht besser als dein Arm.
- Empfehlung: Non-stop Dogwear Ferd Belt oder ein stabiler Canicross-Gurt.
- Warum: Diese Gurte sitzen tief auf der Hüfte (nicht in der Taille!), was deinen Schwerpunkt stabilisiert. Sie haben oft Beinschlaufen, damit der Gurt nicht hochrutscht.
- Sicherheit: Wähle ein Modell mit einem Panikverschluss (Quick Release). Falls du stürzt und mitgezogen wirst, kannst du dich mit einem Griff vom Hund trennen.
3. Die Leine mit Ruckdämpfer
Niemals eine starre Leine am Bauchgurt verwenden! Das geht direkt in deinen Rücken.
- Empfehlung: Eine Joring-Leine (Zughundeleine) mit integriertem Gummiband.
- Effekt: Wenn der Neufi losspringt, fängt das Gummi die erste, harte Kraftspitze ab. Du spürst einen weichen Zug statt eines harten Schlags.
Die „Profi-Kombination“ für maximale Sicherheit:
| Komponente | Funktion |
| Hüftgurt | Überträgt die Kraft auf dein gesamtes Körpergewicht. |
| Ruckdämpfer-Leine | Schont deinen Rücken und die Gelenke des Hundes. |
| Doppelkarabiner | Ein Ende am Rückenring (Sicherheit), ein Ende am Brustring (Lenkung). |
Das Training mit dem Brustring (oft auch „No-Pull“-Option genannt) ist bei einem Neufundländer eine physikalische Wunderwaffe. Es geht nicht darum, dem Hund wehzutun, sondern seinen Vorwärtsdrang durch Hebelwirkung zu unterbrechen.
Hier ist die Technik, wie du einen 60-kg-Hund sanft „aushebelst“:
Die Mechanik: Warum der Brustring funktioniert
Wenn die Leine nur am Rücken befestigt ist, kann der Neufundländer sein gesamtes Gewicht in das Geschirr legen und wie ein Schlittenhund ziehen. Er hat eine gerade Linie für seine Kraft.
Ist die Leine am Brustring (vorne auf der Brust) befestigt, passiert bei Zug Folgendes:
- Sobald der Hund nach vorne prescht, zieht die Leine seine Brust zur Seite.
- Sein Körper wird automatisch zu dir hin gedreht.
- Er verliert den direkten Blickkontakt zum Ziel (der Katze) und seinen stabilen Stand nach vorne.
Die Anwendung im Training (Die „Zügel“-Technik)
Am besten arbeitest du mit einer verstellbaren Führleine (ca. 2,30 m), die an beiden Enden einen Karabiner hat:
- Doppelte Sicherung: Befestige einen Karabiner am Rückenring (deine Hauptsicherung) und den anderen am Brustring.
- Die Führung: Du hältst die Leine wie einen Zügel. Die Spannung liegt primär auf dem Rückenring.
- Der Moment der Sichtung: Sobald dein Neufi die Katze fixiert und anspannt, nimmst du die Spannung auf den Brustring-Teil der Leine auf.
- Die Drehung: Durch den seitlichen Zug am Brustbein wird sein Oberkörper sanft in deine Richtung gelenkt. Er kann nicht mehr mit voller Kraft geradeaus stürmen.
- Der Klick-Moment: Sobald er durch die Drehung den Blick von der Katze abwendet und dich anschaut (weil er sowieso schon halb in deine Richtung gedreht wurde), kommt dein Markerwort („Top!“) und der Keks.
Wichtige Sicherheitsregeln für den Brustring:
- Kein Rucken: Zieh niemals ruckartig am Brustring. Ein gleichmäßiger, fester Zug reicht aus, um ihn aus der Balance zu bringen.
- Nur zur Korrektur: Lass die Leine am Brustring locker durchhängen, wenn er brav neben dir läuft. Er soll nur den Widerstand spüren, wenn er selbst die Entscheidung trifft, loszustürmen.
- Die Kurve laufen: Wenn er die Katze fixiert, nutze den Brustring, um mit ihm einen kleinen Bogen weg von der Katze zu laufen. Das nimmt die Dynamik komplett raus.
Zusammenfassung deiner „Ausrüstung für Katzen-Begegnungen“:
- Bauchgurt: Damit du fest im Boden verankert bist.
- Ruckdämpfer-Leine: Um deine Bandscheiben zu schützen.
- Y-Geschirr mit Brustring: Um die Lenkung zu übernehmen.
Kleiner Trick: Wenn dein Neufi sehr stur ist („Ich bewege mich hier nicht weg, ich starre jetzt!“), hilft es oft, nach dem Zug am Brustring zwei Schritte rückwärts zu gehen. Das animiert den „Folgetrieb“ und bricht das Starren auf die Katze auf.